Salon Dahlmann

27.04. - 30.06.2018
Eröffnung 26.04.2018, 19 Uhr

Paradise Is Now
Palm Trees in Art

John Baldessari, Juliette Blightman, Marcel Broodthaers, Cyprien Gaillard, Rodney Graham, Secundino Hernández, Gregor Hildebrandt, David Hockney, Miriam Jonas, Stefan Knauf, Joonas Kota, Alicja Kwade, Talisa Lallai, Mevlana Lipp, Sarah Ortmeyer, Wolfgang Plöger, Sigmar Polke, Bruno V. Roels, Ed Ruscha, Raf Simons, Yutaka Sone & Rirkrit Tiravanija, Simon Speiser, Henning Strassburger, Vivian Suter, Barthélémy Toguo

kuratiert von Robert Grunenberg

 

Baldessari

 John Baldessari, Throwing Four Balls in the Air to Get a Square (Best of Thirty-Six Tries), 1972-73

 

Hedonismus, Eskapismus, Exotik – über Kontinente, Religionen und Kulturen hinweg transportiert kein anderes Motiv diese Assoziationen überzeugender als die Palme. Die Gruppenausstellung „Paradise is Now. Palm Trees in Art“ widmet sich der Frage nach der Existenz eines modernen Paradieses und durchleuchtet das komplexe ikonografische Spektrum eines prominenten floralen Sinnbildes. Was steht hinter der Popularität dieses Emblems und welche Bedeutungsebenen und Widersprüche offenbaren sich im Zuge der künstlerischen Auseinandersetzung?

Omnipräsent in Werbung und sozialen Medien beteuert das Image der tropischen Pflanze Luxus, Glamour, Jetset und Sonnenschein. Im Nachkriegseuropa noch Vermittler von bescheidenem Fernweh nach dem Süden, ist die Palme in der globalen wie säkularen Populärkultur zum universellen Zeichen moderner Paradiese herangereift, das besonders in den USA zum Emblem des Süßen Lebens empor gewachsen ist und von vielen, vor allem in L.A. arbeitenden Künstlern wie John Baldessari, David Hockney oder Ed Ruscha in den Fokus ihrer Bildsprache gerückt wurde.

Aus europäischer Perspektive, der Leisure Life und Hedonismus häufig verdächtig waren, repräsentiert die Palme bei Marcel Broodthaers ein eingetopftes und domestiziertes Dekoelement. Als imperialistisches Machtsymbol vergangener Epochen wird die Palme bei Broodhtaers raumgreifender Installation institutionskritisch entlarvt. Bei Sigmar Polke muss sie für die spießbürgerlichen Bedürfnisse des Nachkriegsdeutschen einstehen und wird mit dem psychologischen und moralischen Verfall einer zur Oberflächlichkeit und Konsum driftenden Gesellschaft in Verbindung gebracht werden.

In einer ortspezifischen Installation wenden Yutaka Sone und Rirkrit Tiravanija kooperativ die Gedanken von Broodthaers an und erweitern diese um Aspekte des globalen Konsumgüterhandels. Mensch und Naturgewalt werden in Rodney Grahams Videoarbeit „Vexation Island“ anhand einer Kokospalme und eines Schiffsbrüchigen visualisiert. Simon Speiser überführt die Palme in die Virtual Reality und thematisiert die zunehmende Entfremdung zwischen Mensch und Natur vor dem Hintergrund der fortscheitenden Technik. Die damit einhergehende massenhafte Domestizierung des tropischen Gewächses adressiert auch Alicja Kwade. Sie widersetzt sich der natürlichen Beschaffenheit des Materials und seiner Vergänglichkeit, indem sie ihre alte Zimmerpflanze im Kupferbad verewigt. 

„Paradise is Now. Palm Trees in Art.“ vereint über 50 Werke aus Malerei, Skulptur, Fotografie, Video und Virtueller Realität. Werke von Marcel Broodthaers und David Hockney sowie Arbeiten aus jüngster Generation wie jene Bruno V. Roels’ sind zum ersten Mal in Berlin zu sehen.

Und wenn wir die in sich geschlossene Welt der Galerie verlassen und womöglich ins nahegelegene Kaufhaus schlendern oder in einem Café sitzen oder einen Platz überqueren, auf dem die eine oder andere Palme in einem Kübel steht, dann werden wir fortan jeden dieser Bäume mit einem neuen Blick für seine tiefere Bedeutung und weitgespannten Beziehungen wahrnehmen. Norman Rosenthal

 

Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog in deutscher Sprache (160 S., mit rund 100 farbigen Bildtafeln, Hatje Cantz Verlag, 30,00 €). Die Publikation enthält Beiträge von Bret Easton Ellis, Robert Grunenberg, Norman Rosenthal und Leif Randt.

Zum Kurator:

Der in Berlin lebende Kunsthistoriker Robert Grunenberg studierte in Frankfurt und London Kunstgeschichte. Nach Stationen als Kurator am MoMA PS1 in New York und Autor beim Springer Verlag in Berlin eröffnet Grunenberg zum Gallery Weekend Berlin 2018 seinen eigenen Ausstellungsraum in der Marburger Str. 3 in Berlin, Charlottenburg. Der Fokus des Ausstellungsprogramms von Robert Grunenberg Berlin liegt auf thematischen Gruppenausstellungen, die die Bereiche Kunst, Mode und Design zusammenführen. 

 

 Mit freundlicher Unterstützung von MIV VerwaltungsGmbH, Berlin